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  Gleich vorweg: Es gibt kein schöneres
Fleckchen Erde als die Insel ELBA, dieses
Juwel im Tyrrhenischen Meer,
aber ich gebe zu, dass ich in diesem Fall
weder besonders kompetent noch sonderlich
objektiv sein kann,
kenne ich doch, von Elba, Capri und Kreta
abgesehen, keine andere Insel dieser Welt.
Mir geht es da wie einem Mann,
der - endlich der EINEN begegnet,
nur noch Augen für eben diese Frau besitzt,
in die er sich verliebt hat.
An Italien schätze ich alles:
Die Menschen und ihre Ungezwungenheit,
ihr Improvisationstalent, die melodiöse Sprache,
die raffinierte Einfachheit der Küche,
die mediterrane Vegetation, das kreative Design
selbst im kleinsten Gebrauchsgegenstand,
sowie das Nebeneinander von moderner Architektur
und antiken Kunstwerken!
Das ganze Land ist ein einziges Museum,
wenn auch Kitsch und Kunst nirgendwo
so nah beieinander liegen, wie gerade hier.
 Mein Herz beginnt jedesmal zu klopfen, sobald die Fähre,
die uns vom Festland auf die Insel bringt,
ins Hafenbecken von Portoferraio einschwenkt
und ich der hellgelben Häuserfront,
dieser historischen Idylle ansichtig werde
und freudig verschämt winke,
damit die Umstehenden es nicht bemerken.
Die Insel hat etwas Faszinierendes, eine Anziehungskraft,
der kaum jemand widerstehen kann
und obwohl es heuer mein zwölfter Aufenthalt ist,
werde ich ihrer nie überdrüssig.
Beim ersten Mal wohnten wir im Hotel,
fanden aber bald heraus,
dass ein eigener Bungalow eher unserem Bedürfnis nach
entspannter Zweisamkeit entspricht:
Wir entdecken einen inmitten eines Weingartens,
nur wenige Meter vom Meer entfernt.
Noch vor dem Frühstück mache ich auf der Terrasse
meine gewohnten Körperübungen,
während Thomas, den Berlinmarathon vor Augen,
sein Lauftraining absolviert.
Vormittags schlendern wir den Strand entlang hinein in den Ort,
kaufen den Il Tirreno - wegen der Wettervorhersage!!!
und setzen uns in den mit lila Bougainvillea und Passionsblumen
bewachsenen Garten der Pasticceria, wo wir Tee trinken oder Capuccino
und eines der köstlichen Tramezzini essen
Danach geht´s zu Panelba, der Paninoteca,
in der es herrliche Torten, Brötchen und köstliche Pizze gibt.
Wir haben die Qual der Wahl
zwischen Brot belegt mit Olive, Funghi oder Cipolle.
Beim Kaufmann erstehe ich die ersten heimischen Kirschen,
sündteuer, aber unwiderstehlich.
 
  
  Am späten Vormittag landen wir dann meist am Strand
und bleiben bis Mittag.
Bei weniger schönem Wetter machen wir
ausgedehnte Wanderungen
und halten dabei Ausschau nach Orchideen,
deren es viele Arten gibt, die aber nur im April/Mai blühen.
Oder wir fahren an den Strand von Le Ghiaie,
wo wunderschöne weiße Kieselsteine
mit schwarzen Einschlüssen zum Sammeln verleiten.
Gerne wandern wir auch die abseits
gelegene Bucht von Magazzini
direkt am Meer entlang, im Blick die Festung Volterraio,
ein trutziges Wahrzeichen
aus Elbas bewegter Vergangenheit.
Abwechslung versprechen auch die
wöchentlichen Märkte, die jeden Tag
in einer anderen Stadt abgehalten werden:
Hier findet man
von der bunt bestickten Tischdecke
über Korallen- , Perlen- und Muschelketten,
Obst und Gemüse, Käse und Wurstwaren,
Blumen und Pflanzen in Terracottatöpfen,
Hüten, Sonnenbrillen und anderen
Badeutensilien alles für den Inselalltag.
  
Die Insel ist mir das ganze Jahr über gegenwärtig,
auch wenn ich gerade nicht dort weile.
Ab Weihnachten beginne ich mich auf den Aufenthalt zu freuen
und vor meinem inneren Auge sehe ich den lodernd gelben Ginster,
das smaragdgrüne Wasser, den tiefblauen Himmel, schattige Wälder,
schreiend roten Mohn und die blühende Macchia,
während es draußen stürmt und schneit.
Die vielen Wanderungen haben einen unauslöschlichen Eindruck
von der Schönheit der Insel hinterlassen.
In Gedanken träume ich oft von der Bucht in Procchio,
liege in meiner Phantasie draußen auf den Felsen,
die sanft gewölbt aus dem Wasser ragen
und die im Sommer mein bevorzugter Badeplatz sind.
Hier kann ich stundenlang liegen und den Schneckchen,
Einsiedlerkrebschen und winzigen Krabben zusehen,
wie sie sich dem Rhythmus der Gezeiten widerspruchslos fügen.
Die Bucht ist Ende Mai spärlich besucht;
hierher finden selbst Einheimische nur schwer.
Meist suchen die Badegäste den mondäneren Sandstrand
in Marina die Campo im Süden der Insel auf,
während mir hier nur die Guardiola,
ein ehemaliges Wächterhaus, Gesellschaft leistet.
Hier zu dösen - dazu noch Beethovens 5. Klavierkonzert im Ohr
- welch kostbarer Augenblick fernab vom lauten Trubel,
nur begleitet vom beharrlichen Wellenschlag,
der rhythmisch-monoton gegen die Felsen plätschert.
 Abends bummeln wir durch irgendein Städtchen,
flanieren die Straßen auf und ab,
schlecken Gelati (warum muss Eis bloß dick machen?)
und suchen in speziellen Läden nach ausgefallener
handbemalter Keramik, für die Elba berühmt ist.
Hier sitzt einfach alles locker: die Brieftasche
und die guten Vorsätze.
Am Ende jeden Tages erwarten uns kulinarische
Genüsse entweder in der Taverne in Procchio oder
bei NEDO, einer Trattoria auf der Piazza della Repubblica
in Portoferraio.
Eine Spezialität in der Taverne ist die Paella
mit frischen Meeresfrüchten, mmmh köstlich,
während bei Nedo die Seezunge
mein bevorzugter Genuss ist.
Er besorgt die Fische fangfrisch zeitig am Morgen
von den einlaufenden Fischkuttern,
bringt sie in einem Bottich,
der mit Meerwasser gefüllt ist, in seine Küche und Franca,
die exzellenteste Köchin, die ich kenne,
bereitet mir dann mein Lieblingsgericht: Sogliola alla griglia.
Franca ist ein elbanisches Original:
Stets sieht man sie mit einer filterlosen Zigarette
im Mundwinkel,
während sie die Pasta "nach Gefühl",
also ohne auf die Uhr zu sehen, kocht.
Sie schält jede Kartoffel einzeln,
um daraus Patate fritte zu fabrizieren,
wäscht jede Salatportion extra nach Bedarf
und kann trotzdem im Nu ein vollbesetztes Lokal verköstigen.
  
Auf der Heimreise benutzen wir die grün gekennzeichnete Strada Statale
(grün steht auf der Karte für "schöne Aussichtsstraße"),
fahren durch dieses ästhetisch so reizvolle
und an Kunstwerken überreiche Hügelland der Toskana
und nehmen die alte Ausfahrtstrasse durch Florenz Richtung Norden,
vorbei an herrschaftlichen Villen in traumhaften Gärten,
weiter durch Kastanienwälder über den Futa-Pass Richtung Bologna.
"Diese Schönheit! Diese Schönheit!" denke ich immer wieder
und schweren Herzens entschließen wir uns ab hier für die Autostrada,
während Luciano Pavarotti´s Nessun´ Dorma aus dem Lautsprecher tönt...
Arrivederci, isola bella! Arrivederci Italia!
- Riki -
  
Die Luft ist lauer, reiner; der Himmel blauer und unbewölkter;
die Gesichter offen, freundlich und lachender,
die Formen und Umrisse der Körper regelmäßig und anlockender.
Selbst das Grün der Wiesen und Bäume nicht so kalt und tot,
sondern höher, heller,
mannigfaltiger als in den nördlichen Himmelsstrichen.
Alles scheint zum lieblichen Genusse einzuladen,
und Natur und Kunst bieten sich wechselseitig die Hand.
17.7.1792
  
  Die Möwen gleiten
mit einem Flügelschlage
schwerelos heimwärts
- Riki -
Bitte Violinschlüssel anklicken,
dann geht es hörbar leidenschaftlich weiter.....
(bitte um Geduld, das Laden dauert etwas!)
  
 In Klatschmohnfeldern
die Sinne ungezügelt
der Lust erliegen.

-Riki-
Zum Vergrößern hier klicken An Ragwurzblüten
sich im Versteckspiel üben
die Honigbienen.

-Riki, nach Issa-
  Unter dem Schatten
Kegel einer Pinie
Die Beine
In die Ebene
Weit hinausgestreckt
Lausche ich dem leisen
Rauschen
Wenn der Sommerwind
Die Blätterhaare kräuselt
Einzelne gold´ne Strahlen
Die verloren
Durch die Wipfel fallen
Und auf meinem Körper
Hell aufleuchtend
Schnell verlöschen
Von den Feldern klingt
Der Ruf des Hähers
Windes geflügelter Bote
Löscht mit seinem
Flügelschlag
Die Flamme des Tages
Läßt die Schatten
Länger werden und
Meine Füße
Im aufsteigenden Dunkel
Langsam mit der Nacht
Verschmelzen.

© Dirk-Uwe Becker

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