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Am 18. Juni 2003 holten wir Eliszár Karthágó Inez im zarten
Alter von nicht einmal 10 Wochen ins Haus und gaben ihr den weniger hochtrabenden, bürgerlich angepassten Rufnamen Puppi.
Ihre Mutter, eine geborene Bella-Dormikátó Dolce-Vita
und ihr Vater, Nyargalászó Erik, beides perserstämmige
Ungarn, waren verantwortlich für das Zustandekommen dieses entzückenden Katzenmädchens.
Puppi ist anmutig und gescheit, von exaltiert-kapriziösem Aussehen und angenehmer Wesensart, kurz: ein liebenswertes Persönchen von nicht zu verleugnender edler Herkunft.
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Lange herrschte "Hoftrauer",
nachdem unser Jakob am 4. Juli 2002
nach 16 glücklichen Jahren
der Gemeinsamkeit
gestorben war
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| Begräbnis einer Katze und der tiefere Sinn des Abschiednehmens
Die Katze haben wir in unserem Garten begraben.Sie liegt gleich neben der kleinen Buddhastatue. So tief haben wir sie begraben,
dass sie kein anderes Tier ausscharren kann.
Aber der scheußliche Regen hat dafür gesorgt, dass wir nicht allzu
tief gruben.
Mit der toten Katze war eines meiner Patenkinder zu mir gekommen, weil es mit seiner Familie in einer Etagenwohnung ohne Garten lebt. In seiner Lieblingswolldecke trug er das Tier. Ich habe
ihn nicht gefragt, warum er seinen Liebling nicht in irgendeinem
Wald begräbt. Ich habe auch nicht gefragt, ob es vielleicht der im Patenonkel versteckte Pfarrer ist, der in aller Form eine Zeremonie garantiert. Oder gar, ob es der Pfarrgarten ist, der quasi eine Art Friedhof vorgaukelt. Ich habe einfach den Jungen mit der Katze gesehen, die er Zeit seines Lebens um sich hatte. Er trug quasi
seine Kindheit auf dem Arm. Jemand sollte sie ihm abnehmen und
ihm beim Abschied beistehen.
Daher war er an diesem regenverhangenen Tag zu mir gekommen, um wieder einmal ein Stück seiner Kindheit zu begraben. Und so
war denn auch die Grabrede. Nicht mit gefalteten Händen, sondern zwei Männer mit der Schaufel in der Hand. Und der Ältere erzählt
dem Jüngeren, dass das Leben nichts anderes ist als eine einzige Abschiedszeremonie.
Es ist ja nicht nur die Katze. Es ist ja nicht nur die Kindheit. Bald werden es Vater und Mutter sein. Und irgendwann in nicht allzu
ferner Zukunft auch die Jugend.
Es ist ein einziges Abschiednehmen! Und als wir überlegen, ob wir oben auf das Grab ein kleines Holzkreuz errichten sollen, kommt die Frage nach dem tieferen Sinn der ganzen Abschiednehmerei.
"Ich weiß es nicht. Ich weiß es wenigstens nicht so genau, dass ich
es beschwören könnte", antwortete ich.
"Aber ich habe einen Verdacht."
"Und der wäre?", fragt der Junge zurück.
"Nun, dass wir bei allem Abschied und trotz allen Scheidens nicht immer bitterer werden, sondern immer offener und statt einer Mutter, die nur unsere war, alle Mütter lieben. Und statt einer Katze, die nur
dir gehörte, alle Katzen lieben."
(Aus: Jürgen Fliege,
Der Himmel ist auf deiner Seite) |