| 
DAS KLAVIER
- meine erste Liebe
Früh schon
erweckte dein Klang einen eigenartigen Zauber;
eine unwiderstehliche Anziehung ging von dir aus, sobald ich deiner
– wo auch immer – gewahr wurde.
Im Elternhaus
standest du in einer Ecke im nachkriegsmöblierten
Wohnzimmer, aus zweiter Hand zwar und dennoch war meine
Zuneigung ungebrochen.
Mein Vater reagierte grob. Seine Krankheit duldete keinerlei Frohsinn.
In meiner Anhänglichkeit
ging ich so weit, dass ich, sooft ich dich
durch ein offenes Fenster bemerkte, einfach stehen blieb und
-- ohne jeden Anspruch – sehnsüchtig lauschte.
Erst spät
im Leben ging ich auf dich zu, immer noch zaghaft schüchtern
und mit respektvoller Ehrerbietung.
Leidenschaftlich begann ich mit den ersten Übungen.
Jeder Besucher, der ins Haus kam, erhielt eine Kostprobe aus
Cernys Vorschule der Geläufigkeit und, wenn er mir dessen
würdig erschien, eine Zugabe aus Duvernoys Etüden für
den Elementarunterricht.
Ich war begeistert! Nun lockte in der Ferne das Ziel, eine Beethoven-Sonate
eigenhändig spielen zu können!
Unsere Begegnung
blieb nicht ohne Folgen, denn du brachtest eine unbekannte Seite in mir
zum Klingen:
War ich früher meist in Moll gestimmt, so bemerkte ich mit der Zeit
eine leichte unbeschwerte Stimmung überhand nehmen und auf die Frage,
wie es mir denn so gehe, antwortete ich vergnügt:
„Mir geht´s mozart!“
Seit vielen
Jahren verbringen wir jeden Tag gemeinsam.
Aus dem schwärmerischen Gefühl von einst ist eine vertraute
Nähe enstanden.
Ich bin im Einklang.
- Riki -
Link: Beethoven-Haus
Bonn
Link:
Wolfgang
Amadeus Mozart
Link: Neue Mozart-Ausgabe
Link: Alfred Brendel
|